Auch ich durfte dieses Jahr das erste Mal auf dem Garda-See Regatta segeln. Und ich gebe dem Hype um dieses Segelrevier recht. Es ist wunderschön dort, einfach immer mit Vollspeed auf „die Wand“ zurasen und wenn die Ora mal nicht mit 20 Knoten orgelt, geht auch was über links 😉

Die OK-Klasse ist ein neuer Gast in Italien, was daran liegt, dass es bis dato keine italienischen OK-Segler gab und wir unsere WMs immer in den traditionell nördlicheren Ländern abhalten (die OK-Jolle wurde 1956 in Dänemark vom Olsen, Knut konstruiert und verbreitet sich schnell über Skandinavien nach Deutschland, England und irrwitzigerweise auch nach Down Under). Aber dank ein paar personeller Verästelungen in andere Bootsklassen und World Sailing hinein, durften wir bereits 2023 die Europameisterschaft in Torbole abhalten, wo ich aber leider nicht teilnehmen konnte, und nun endlich auch die WM. Es ist die für unsere Klasse größte WM aller Zeiten gewesen: 213 Starter, darunter 4 Frauen aus 17 Nationen. Warum segeln da so wenige Frauen? Weil die OK-Jolle am besten zu segeln ist mit einem Gewicht zwischen 80—90 kg, was selten eine Frau erreicht. Und warum mache ich es trotzdem seit 30 Jahren? Weil es geht und besonders bei flachem Wasser und wenig Wind, also jenen Bedingungen, die zu Hause vorliegen, besonders viel Freude macht, wenn man taktisches Segeln bevorzugt. Aber manchmal fetzt es eben auch, wenn es ballert und man seine Komfortzone verlassen muss. Deswegen segle ich auch seit 2001 Weltmeisterschaften und Europameisterschaften, die dann meistens auf dem offenen Meer stattfinden.
Garda ist hier eine Ausnahme, da das Revier groß genug ist. 2017 habe ich dann die WorldsWomensTrophy gestiftet und die OKDIA (OK-DinghyInternationalAssociation) hat den Titel in ihre Konstitution aufgenommen. 2017 durfte ich ihn auch gleich gewinnen, 2018 habe ich ihn aber nicht verteidigt bekommen und dann habe ich erstmal Kind bedingt eine Pause von den sehr anstrengenden WMs gebraucht.

Aber 2025 durfte ich mir nicht entgehen lassen! Also den Maroadi Campingplatz gebucht, gleich neben dem veranstaltenden Verein Arco Vela, Kind verkauft, Boot angehängt und 11Stunden gen Süden gerast. Dort wurde ich bereits von meinem Kollegen Greg empfangen, der schon eine Woche lang Dolce Vita gemacht …. ähm natürlich beinhart mit unseren Kunden für die WM trainiert hat. Schließlich ist er ja auch ein EX-Weltmeister (2002). Aber auch in der OK-Klasse haben sich die Zeiten geändert: durch das olympische Aus für die Finns nach Tokio 2022 sind viele Profisegler, besonders aus UK, in die OK-Klasse gewechselt und das spiegeln seitdem auch die TopTen wieder. Gewonnen hat dann auch der britische ExFinnProfi Andrew Mills, bester Deutscher wurde der frühere ILCA-Kader Stefan Hoffmann auf Platz 8.
Wie segelt man jetzt mit 213 Leuten? Nicht in einem Feld. Die ersten drei Tage wurden wir in drei Flotten verteilt und durchgewechselt und nach 6 Wettfahrten je nach Können ausgesiebt in drei Gruppen (gold, silber, bronze). Da die Ora jeden Tag pünktlich um 12:30 losorgelte, fand täglich das gleiche Schauspiel statt: nach etwas Radfahren und Espresso trinken in der SailorsBar in Riva, stand man um 12:00 Uhr zum Auslaufen bereit an der Slippbahn. Da lief einem der Schweiß in Strömen den beneoprenten Rücken runter und man sah einen spiegelglatten Gardasee vor sich liegen. Der Anfahrtsweg zur Bahn verhieß jedes Mal Hoffnung für Leichtgewichte, dass es vielleicht doch nicht ganz so ruppig werden würde und man mal sein ganzes taktisches Können präsentieren dürfe. Aber spätestens beim Start der zweiten Gruppe um 13:15 Uhr hatten wir 25 Knoten. Aber es hat trotzdem allen Spaß gemacht und selbst die Verzweifelten fanden spätestens beim „Einlaufbier“ und den täglichen Pasta-Parties zu bester Laune zurück. Und so landete ich dann auch entsprechend meiner körperlichen Fähigkeiten nach drei Tagen in der Bronzeflotte, der wohl freundlichsten und entspanntesten Gruppe, in der wir dann nochmal 4 Rennen absolvieren sollten, aber nur drei schafften.

Und am letzten Tag setzte sich dann die Ora auch nicht mehr so stark durch und wir hatten endlich die perfekten „Tümpelflitzbedingungen“. Beim Start bin ich nicht ganz so gut weggekommen und war nur 4ter am Luvfaß, aber nach dem ersten Downwind hatte ich zwei andere „aboperiert“ und machte mich an die Verfolgung des Spitzenreiters. Leider reichte der Outerloop nicht mehr aus ihn einzuholen und ich konnte das Rennen „nur“ mit einem 2ten Platz beenden. Dennoch ein großartiges Gefühl! Im Gesamtergebnis katapultierte mich die Platzierung um 10 Plätze nach vorn auf den 12. Platz der Bronzeflotte (insgesamt wurde das nicht mehr ausaddiert, jede Gruppe hatte 71 Starter). Dank der WorldsWomanTrophy durfte ich dann auch zur Siegerehrung aufs Podest. Aber es sind ja nicht die Preise, sondern die Freundschaften, deren wegen man Teil des Segeluniversums ist und so bleibt für mich eine weitere wunderbare OK-WM in Erinnerung mit paradiesischem Wetter, Dolce Vita, herzlichem Zusammensein mit jahrzehntelangen Freunden aus der ganzen Welt und auch mit neuen Freunden und vielen Eindrücken und lehrreichen Erfahrungen. Ich komme wieder!
Und zwar schon im Frühjahr, wenn ich als Mutti mit der Trainingsgruppe Kader die Optis zum Torbole Meeting begleite. Ich weiß jetzt, wo man auf dem Gardasee hinfahren muss und wie das mit „der Wand“ funktioniert. Aber manchmal geht auch was über links 😉
Abschließend möchte ich mich noch bei Jan Dissel bedanken, dessen Boot ich leihen durfte, da ich meines selber verliehen hatte. Der „Schreiber“ Baujahr 1976 war mit Abstand das älteste Boot bei der WM, aber: läuft.
Ganz viele Bilder sind im Flikr-Album unseres MediaMannes Robert Deaves:2025 OK Dinghy World Championship Day 5 | Flickr
Weiter Berichte, Videos und die Ergebnisse sind auf der Event-Homepage: 2025.okworlds.org
Juliane (GER 80)



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